Das vhs-Lernportal im Alphakurs

Rosa Scherff ist pädagogische Mitarbeiterin an der vhs Oelde-Ennigerloh. Dort wird in einem Kurs für Zweitschriftlernende nicht nur mit Buch und Tafel gearbeitet, sondern auch der ABC-Deutschkurs im vhs-Lernportal genutzt. Zu Beginn hat Rosa Scherff den Kurs selbst unterrichtet. Wie das digitale Lernen gelang, berichtet sie im Interview.

Rosa Scherff (Mitte) mit ihren Kursteilnehmerinnen Dalal Allaban (l.) und Narmin Amin (r.). Foto: Henning Wegener / Oelde

Interview mit Rosa Scherff

Frau Scherff, seit wann lernt der Kurs denn mit dem vhs-Lernportal und wie oft?

Wir starteten Anfang Dezember 2019, also ungefähr einen Monat nach Beginn des Kurses. Die Teilnehmenden haben pro Woche an vier Tagen Unterricht und ich versuche, immer an einem Tag das vhs-Lernportal zu nutzen.

Das ist ja relativ früh im Kursverlauf. Wie reagierten die Teilnehmenden darauf?

Ja, noch im ersten Modul. Aber es hat funktioniert. Das kann man also ruhig wagen. Sie waren nach dem ersten Mal total begeistert. Gleich am nächsten Tag kam die Nachfrage, ob wir wieder am Computer arbeiten!

Lernen gemeinsam: Hanan Aljasem (r.) ist geübter im Umgang mit der Technik und hilft Mahara Wlw (l.). Foto: Henning Wegener / Oelde

Hat denn von Beginn an alles gut geklappt?

In der ersten Stunde war es für einige noch schwierig, insbesondere im Umgang mit dem PC. Die Maus führen, überhaupt den Cursor finden und mit der Maus steuern und dann noch die linke Taste klicken – das haben einige noch nie gemacht. Auch Groß- und Kleinschreibung auf der Tastatur war für viele neu. Aber jetzt sind sie schon viel sicherer geworden und arbeiten sehr selbstständig, ein Großteil auch ganz fleißig zu Hause. Manche täglich, sogar am Wochenende. Das freut mich jedes Mal, wenn ich das sehe.

Wie sind Sie mit den geringen PC-Kenntnissen umgegangen?

Ich versuche es so zu steuern, dass die Teilnehmenden sich gegenseitig helfen und lasse sie zu zweit arbeiten. Es gibt immer einige, die fitter sind und mit der Technik super klarkommen. Sie können den Unsicheren helfen. Und wenn jemand Unterstützung braucht – weil sich zum Beispiel ein Tab geschlossen hat und das Lernportal plötzlich weg ist – frage ich die Teilnehmenden, wer helfen kann, bevor ich es selbst tue. Wir haben uns am Anfang auch nur als Gast eingeloggt und nicht alle gleich als User. Die Registrierung mache ich jetzt sukzessive mit jeder/jedem einzelnen. Zwei bis drei fehlen mir noch.

Damit sie zu Hause auch ohne PC weiter üben können, lernen die Teilnehmenden das vhs-Lernportal auf dem Smartphone zu nutzen. Foto: Henning Wegener / Oelde

Wäre es nicht leichter, die Smartphones der Teilnehmenden zu nutzen?

Das machen wir zusätzlich. Wir arbeiten mit Handy und Computer, denn die wenigsten haben einen zu Hause. Wenn sie mit der Ansicht auf dem Smartphone vertraut sind und wissen, dass sie damit zu Hause selbstständig lernen können, klappt das auch. Außerdem können wir im Kursraum besser mit den Smartphones arbeiten – zum Beispiel in Stationen lernen oder in Gruppen. Das Arbeiten am Rechner finde ich trotzdem wichtig, weil so ganz nebenbei auch der Umgang mit dem PC trainiert wird.

Warum nutzen Sie das vhs-Lernportal? Wo sind Ihrer Meinung nach die Vorteile?

Das Schöne ist, dass alle in ihrem eigenen Tempo und auf ihrem Niveau selbstständig lernen können. Zudem gibt es Anreize, zu Hause weiter zu üben. Für mich liegt der Vorteil darin, dass ich das binnendifferenzierte Arbeiten besser steuern kann. Wenn ich die Lernenden online betreue, sehe ich, wo sie Schwierigkeiten haben und kann ganz gezielt Übungen zuweisen.

Welche Tipps können Sie für den Einsatz des vhs-Lernportals in Alphakursen geben?

Es hat sich in meinem Unterricht als erfolgreich erwiesen, Lerntandems aus technisch affinen und unsicheren Teilnehmenden zu bilden. Hilfreich ist außerdem, wenn man vorher das grundlegende Vokabular einführt, so wie Tastatur, Maus, Bildschirm, einloggen …
Das Portal und dessen grundlegende Funktionen sollten Kursleitende zunächst im Plenum zeigen, bevor die Teilnehmenden die Aufgabe bekommen, es selbst auszuprobieren. Praktisch und lernmotivierend ist es, die Smartphones der Teilnehmenden einzusetzen, damit sie zu Hause weiterlernen können. Zusätzlich kann ich empfehlen, auch die PCs zu verwenden, um den Umgang mit dem Computer zu schulen.

Der Artikel ist zuerst erschienen in dis.kurs – Das Magazin der Volkshochschulen, Heft 01/2020. Die Fragen stellte Claudia Zanker.


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